Rente mit 63? Eine Mogelpackung

http://www.handelsblatt.com/politik/deutschland/kritik-an-der-reform-nahles-rente-mit-63-ist-nicht-umsetzbar/9365186.html

 

Nach der gescheiterten Umsetzung der im Koalitionsvertrag geplanten Gesetzgebung zur Vorratsdatenspeicherung und einem ersten Disput zwischen den Regierungsparteien scheint nun auch die abschlagsfreie Rente mit 63 an der Realität zu zuschellen. Was aber sowieso nur jeder wusste, der sich den Koalitionsvertrag genauer angesehen hat, war, dass ohnehin nur ein kleiner Kreis mit 63 ohne Abschlagszahlungen in Rente gehen sollte. Ebenso, wie die Regelaltersrente war nämlich auch hier von vornherein eine Staffelung vorgesehen. In den Interviews war davon auch bei den SPD-Abgeordneten nicht die Rede. Das wurde einfach stillschweigend in den Koalitionsvertrag aufgenommen. Dennoch führte das Thema fast zu einer Spaltung innerhalb der Bevölkerung, denn wieder einmal fühlen sich die jüngeren Menschen von den älteren übervorteilt. Während man zunächst noch dachte, warum sollten die jüngeren Menschen übervorteilt sein, sie könnten schließlich auch mit 63 ohne Rentenabschläge ihr Arbeitsleben beenden, wenn sie es tatsächlich schafften, bis dahin 45 Jahre lang Rentenversicherungsbeiträge einzuzahlen, zeigte sich ja nun der Grund dafür. Betroffen von diesem Vorteil sind nur Arbeitnehmer des Geburtsjahrgangs 1952, denn sie werden in diesem Jahr 63 Jahre alt. Wer im nächsten Jahr 63 Jahre alt wird, muss schon zwei Monate länger arbeiten, bis schließlich mit dem Geburtsjahrgang 1964 der Vorteil aufgebraucht ist, denn dieser Jahrgang kann frühestens mit 65 Jahren abschlagsfrei in Rente gehen und das war auch bisher schon möglich, wenn 45 Beitragsjahre in der gesetzlichen Rentenversicherung nachgewiesen sind.

Für unsere Politiker völlig überraschend stellte sich jetzt auch noch heraus, dass überhaupt nicht nachvollziehbar ist, wer während seines Berufslebens Arbeitslosenhilfe oder ALG II bezogen hat. Was nun, Frau Nahles? Vergessen wir doch am besten das Ganze, denn wenn die wenigen Arbeitnehmer, die es schaffen mit 63 Jahren 45 Jahre lang Beiträge in die gesetzliche Rentenversicherung einzuzahlen, weniger Wert sind, als Mütter, die demnächst spätestens mit dem Eintritt ihrer Kinder in das Erwachsenenleben die Rente einreichen können, dann lässt man es doch besser sein. Mal ganz zu schweigen von dem Verhältnis der seit ihrem 14. oder 16. Lebensjahr berufstätigen Frauen, die neben Haushalt und Kindererziehung immer arbeiten mussten, weil das Geld sonst nicht gereicht hätte zu den Frauen, die vielleicht nie in den Genuss dieser Doppelbelastung bekommen sind. Soll die Bundesregierung sich also lieber auf die Mütterrente konzenrieren, da gibt es wenigstens keine Klärungsprobleme.

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