Immer wieder Kritik an der Rente mit 63

http://www.zeit.de/wirtschaft/2014-05/rente-finanzierung-kritik

Wieder einmal gibt es Kritik an der angeblichen Rente mit 63. Dieses Mal sind es die Rentenversicherer und, wen wundert es, wieder einmal mit dem Argument, diese Rente gehe zu Lasten der Jüngeren. Habt ihr es denn immer noch nicht bemerkt? Jede Rente geht zu Lasten der Jüngeren, zumal niemand weiß, wie es einmal um die Rente der Jüngeren bestellt sein wird. Das bezieht sich nicht nur darauf, dass die Rente für jüngere Menschen nicht sicher sein könnte, sondern meint auch, dass niemand weiß, ob sie wirklich zu niedrig ausfallen wird. Ist es vielleicht auch ein guter Trick von Politik und Versicherungswirtschaft, auf diese Weise die Menschen in die privaten Zusatzversicherungen zu drängen? Wie dem auch sei. Wie viele Menschen werden denn abschlagsfrei mit 63 Jahren in Rente gehen können? Doch gerade einmal ein Jahrgang, nämlich der Geburtsjahrgang 1953/54. Und auch von diesem Jahrgang betrifft die abschlagsfreie Rente mit 63 nur diejenigen, die auch 45 Beitragsjahre geleistet haben. Wie viele der heute jungen Menschen werden das mit 63 Jahren denn überhaupt von sich behaupten können? Darüber spricht kaum jemand oder es wird ihm sofort das Wort abgeschnitten. Diese heute junge Generation, die sich aufgrund der öffentlichen Diskussion dazu hinreißen lässt, sich benachteiligt zu fühlen, wurde von genau diesen Menschen, die jetzt nach 45 Beitragsjahren in Rente gehen sollen, nach allen Regeln der Kunst verhätschelt und verwöhnt. Natürlich können das nicht alle jungen Menschen von sich behaupten, aber auf die Masse trifft es wohl zu. Es waren die Kinder, die mit dem Auto in den Kindergarten und später in die Schule gefahren wurden, die kaum materiellen Verzicht üben mussten, nicht mehr geschlagen oder bloßgestellt werden durften, Nichtraucherschutz und Förderung in vielen Bereichen genossen, Gleichbehandlung bezüglich des Jahresurlaubs genießen und nicht mit 18 Urlaubstagen auskommen müssen, heute Erziehungsurlaub und Erziehungsgeld genießen, wenn sie Kinder bekommen usw. Diese Liste könnte endlos fortgeführt werden. All diesen Luxus genossen die heute 63jährigen in ihrer Jugend nicht. Sie durften übrigens auch schon mit 14 Jahren arbeiten. Deshalb schaffen sie es auch locker, mit 63 Jahren 45 Beitragsjahre in der Rentenversicherung zu erreichen. Berufstätige Frauen, die in den 1950er Jahren geboren sind, und auch ältere Frauen, mussten ihre Kinder neben der Berufstätigkeit erziehen oder auf ihren Job verzichten, denn als sie in das Berufsleben einstiegen, herrschte massive Arbeitslosigkeit, insbesondere Jugendarbeitslosigkeit Ende der 1970er bis Mitte der 1980er Jahre. Wer 1955 geboren ist, kann übrigens schon nicht mehr mit 63 ohne Abschläge die Rente genießen, denn mit jedem jüngeren Lebensjahr steigt der Renteneintritt um 2 Monate. Wer 1958 geboren ist, geht mit 64 in Rente, immer 45 Beitragsjahre vorausgesetzt, und wer 1963 geboren ist, arbeitet dann doch bis 65, wenn er denn schon 45 Jahre auf dem Buckel hat. Was spricht denn dagegen, einfach alle Arbeitnehmer nach 45 Beitragsjahren in Rente zu schicken? Nachdem die staatliche Rentenversicherung spätestens seit der deutschen Wiedervereinigung, die ja zum Großteil aus der Rentenversicherung finanziert wurde, ohnehin seit Jahren auf staatliche Zuschüsse angewiesen ist, dürfte es doch auch längst möglich sein, das Rentensystem so zu ändern, dass jeder Versicherte die Rente aus seinen eigenen Beiträgen erhält, anstatt immer weiter am Generationenvertrag festzuhalten.

Wer sich benachteiligt fühlt, sollte doch einmal über die Mütterrente nachdenken. Sie kommt Frauen zugute, die es sich leisten konnten, auf Berufstätigkeit zu verzichten und sich auf ihre Kinder zu konzentrieren. Mit anderen Worten, von ihr profitieren Frauen, die selbst keine oder nur geringe eigene Beiträge in die Rentenversicherung eingezahlt haben. Schlimmer noch, sie kommt auch Frauen zugute, deren Ehegatten ebenfalls nicht sozialversicherungspflichtig beschäftigt sind und waren, sondern aufgrund ihres hohen Einkommens privat für ihr Rentenalter vorsorgen, sich also nicht an der Solidargemeinschaft beteiligen. Das System der Hausfrauen-Alimentierung aus Renten-Beiträgen der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten dürfte ohnehin längst überholt sein, aber nun auch noch Frauen aus den Rentenkassen zu alimentieren, die selbst überhaupt nichts mit gesetzlicher Rentenversicherung zu tun haben, ist ein Hohn.

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