Hätte, Hätte, Fahrradkette – Wenn das Wir entscheidet

http://www.spiegel.de/politik/deutschland/steinbrueck-zum-verpatzten-spd-slogan-haette-haette-fahrradkette-a-893965.html

 

Nun gab es schon wieder ein Fettnäpfchen für Peer Steinbrück, den Kanzlerkandidaten der SPD und die Medien haben nichts besseres zu tun, als dieses Fettnäpfchen zu einem Ozean aufzuspielen. Wann lässt man den Mann endlich in Ruhe seinen Wahlkampf machen? Da hatte doch das SPD-Wahlkampfteam einen schönen Slogan entwickelt. Mit den Worten “Das Wir Entscheidet” sollte eine neue moralische Ausrichtung der Politik eingeleitet werden. Diese Idee ist gar nicht schlecht und schon lange überfällig. Dumm ist nur, dass auch eine Baden-Württembergische Leiharbeitsfirma sich schon dieses Slogans bemächtigt hatte. Wieso bei einer Leiharbeitsfirma das Wir entscheidet, ist fraglich, aber man wirbt halt damit – übrigens ohne Urheber-Schutz. Wer konnte damit rechnen? Die BILD ist wohl auch kaum über Google auf den bereits vorhandenen Slogan gestoßen, sondern eher dadurch, dass der Geschäftsführer der Leiharbeitsfirma sich über den angeblichen “Slogan-Diebstahl” öffentlich mokierte. In den Internet-Suchmaschinen ist dieser Slogan im Zusammenhang mit der Leiharbeitsfirma nicht zu finden. Also liegt nicht einmal ein technischer Fehler des SPD-Wahlkampfteams vor, sondern lediglich ein dummer Zufall. Soll nun niemand mehr irgendwelche Werbeslogans, die Firmen für sich nutzen, öffentlich aussprechen dürfen? Dann dürfte demnächst wohl Sprachlosigkeit herrschen. Fast jede Firma wirbt im Internet und ist mit eigenen Homepages vertreten. Da kommt eine Unmenge an Daten, Sprüchen und Werbeslogans zusammen. Kein Mensch und offensichtlich keine Suchmaschine ist noch in der Lage, wirklich jeden Spruch herauszufiltern. Was also soll das künstliche Aufspielen über den SPD-Wahlslogan, der obendrein von Guido Westerwelle despektierlich mit dem Politikgefüge in der ehemaligen DDR gleichgesetzt wurde? Letztendlich verhilft der vermeintliche Skandal dieser Leiharbeitsfirma zu mehr Publicity und das ist tatsächlich ärgerlich.

Nun hat Peer Steinbrück noch eins draufgesetzt und im ARD-Morgenmagazin ziemlich locker den Spruch “Hätte, Hätte, Fahrradkette” zu der Frage geäußert, ob denn nicht das Wahlkampfteam vorher hätte herausfinden können, dass der Slogan schon benutzt wurde. Und schon geht es wieder los. Wie kann ein Kanzlerkandidat sich zu solch einem Spruch hinreißen lassen? Na ja, wie kann er, vermutlich, indem ihm überflüssige Fragen gestellt werden. Medienvertreter könnten sich ja auch intelligentere Fragen überlegen.

Peer Steinbrück hat also wieder einmal ordentlich für Gesprächsstoff gesorgt und für jede Menge öffentliche Aufregung. Die Medien spielen damit wieder einmal der Kanzlerin in die Hand, die sich genüsslich zurücklehnen und zuschauen kann, wie ein Gegenkandidat sich mit offenen Worten ins Aus bugsiert. Nun müssen die Wähler sich wohl selbst fragen, was sie wollen, einen kompetenten Kanzler und Freund deutlicher Worte oder eine zaudernde Kanzlerin, die einfach weiter macht, wie bisher.

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2 Comments

  1. Fiftytwo

    Peer Steinbrück sorgt in jeder Hinsicht für Gesprächsstoff und polarisiert. Dass er nun für einen Slogan, den eine Leiharbeitsfirma angegriffen wird, ist wirklich eine Lappalie, es gibt wesentlich schwerwiegendere Dinge. Minuspunkte hat er sich eingehandelt aufgrund seiner vielen Nebeneinkünfte und die Bemerkungen über die italienischen Politiker, denn damit wirft er wirklich ein schlechtes Licht auf Deutschland. Ich finde wirklich, dass die Verwendung eines bereits vorhandenen Slogans nicht zum Wahlkampfthema gemacht sein sollte.

    Posted 22. April 2013 at 18:23 | Permalink | Antworten
  2. Meluna

    Also ich muss ganz ehrlich sagen, dass solche Sprüche aus dem Mund eines Politikers auf mich nur einen sehr unseriösen Eindruck hinterlässt. Da bekommt man doch den Eindruck, dass Herr Steinbrück die Fragen der Medien und Bürger nicht ernst nimmt. Ich finde derartige Äußerungen absolut unpassend.

    Posted 27. Mai 2013 at 18:13 | Permalink | Antworten

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