Werden Rassismus und Fremdenfeindlichkeit wieder salonfähig?

http://www.focus.de/panorama/welt/rassistisches-motiv-moeglich-bewaffnete-schlagen-und-berauben-afrikaner-in-halle_id_3816442.html

Die ostdeutsche Stadt Halle war gestern wieder einmal Schauplatz eines Übergriffs auf einen afrikanischen Mitbürger. Unbekannte schlugen den aus Guinea stammenden Mann, bedrohten ihn mit einem Messer und raubten ihn aus. Dieser Überfall könnte auch als schlichter Raubüberfall gewertet werden, aber Afrikaner sind nicht die typischen Opfer von Raubüberfällen, daher drängt sich der Eindruck eines fremdenfeindlichen Motivs auf. Dafür spricht auch, dass zuvor schon an anderer Stelle in der Stadt zwei Afrikaner übel beschimpft wurden. Beschimmpft wofür? Dafür, dass sie Afrikaner sind. Das ist sicherlich ein guter Grund Menschen zu beschimpfen und zu bedrohen. Erst im März wurde in der ebenfalls ostdeutschen Stadt Bernburg ein Imbissbesitzer überfallen und brutal zusammengeschlagen, nachdem die Schläger, eine Gruppe junger Männer, ihn zuvor als Scheiß-Kanacken beschimpft hatte. Solche Übergriffe gibt es nach wie vor nicht nur in Ostdeutschland, auch wenn sie dort stärker konzentriert sind und eingefleischte westdeutsche Demokraten fast dazu bringen, ihre Toleranz gegen Ostdeutsche zu verlieren. Dennoch werden auch in Westdeutschland immer wieder einmal Ausländer beschimpft und angegriffen. Fremdenhass und Rassismus sind leider auch nicht auf Deutschland beschränkt. Griechenland, Frankreich, Spanien und Portugal sind ebenfalls bekannt dafür, dass Ausländer regelmäßig mit Übergriffen rechnen müssen. Die Krönung ist der türkischstämmige Schriftsteller Akif Pirincci. Er hat wunderbare Katzen-Krimis von Felidae über Francis und weitere Fortsetzungen geschrieben. Doch nun outete er sich bereits mehrmals in Blogs und jetzt in seinem neuen Buch. Im Kern mag er sogar teilweise Recht haben, wenn er von Migranten verlangt, dass sie sich ihrem Gastland gegenüber dankbarer zeigen sollten. Gerade er, ehemals selbst Migrant, inzwischen deutscher Staatsbürger, dürfte sich diese Kritik sicherlich erlauben, ohne dabei gleich in den Verdacht der Ausländerfeindlichkeit zu geraten. Leider ist sein neues Buch so stark geprägt von Polemik und derben, rechtsgerichteten Äußerungen, dass er nun nahe an die Neonazi-Szene heranrückt. Schade eigentlich, denn er hätte es doch so intelligent angehen können, wie seine Arbeit an den Krimis um den Katzendetektiv Francis. Damit hätte er vielleicht etwas Positives erreicht. Was er nun erreicht hat, ist wohl eher die Verachtung vieler seiner bisherigen Leser. Auch die USA sind ein gutes Vorbild für Rassismus und Fremdenhass. Hatte sich doch gerade erst NBA-Manager Sterling verachtend über schwarze Basketball-Legenden geäußert. Sämtliche Vereine und die NBA selbst haben sich zwar sehr schnell von Sterling und seinen Äußerungen distanziert. Dennoch werden Afro- und Lateinamerikaner immer wieder Opfer von rassistischen Diffamierungen. Nicht alle Menschen sind gleich, aber anstatt die Unterschiede zum Anlass von menschenverachtenden Aktionen zu nehmen, sollte man sich doch in toleranter Form miteinander beschäftigen. Viele wären sicherlich überrascht darüber, wie spannend das Leben der anderen doch sein kann.

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