Der Fall Hoeneß – Wer hat etwas anderes erwartet?

http://www.zeit.de/sport/2013-05/uli-hoeness-steuern-schuld

 

Alle regen sich furchtbar auf darüber, dass Uli Hoeneß große Teile seines enormen Vermögens in der Schweiz oder sonstwo geparkt hat, wo ihm die Zahlung hoher Steuern erspart bleibt. Überraschend ist diese Überraschung über das Verhalten dieses vermögenden Mannes. Es ist wohl eher die Ausnahme unter den reichen Menschen in Deutschland, die ihr gesamtes Kapital bei inländischen Banken hält und jeden Euro in der Steuererklärung angibt. Das ist nicht in Ordnung, aber eben auch nicht überraschend. Vermutlich ist es sogar eine Art Sport für die Herrschaften, sich gegenseitig damit zu übertrumpfen, wie viele Steuern sie nicht bezahlt haben. Jetzt war dummerweise ein wirklich Prominenter mit hohem Sympathie-Anteil auf einer der CDs gespeichert, die von der nordrhein-westfälischen Landesregierung in den letzten Jahren über Strohmänner aufgekauft wurden. Die bayerischen Steuerbehörden haben nach der Information über diesen Inhalt der Steuer-CDs wohl lange mit sich gehadert, ob sie nicht eine Möglichkeit sehen, ihren Vorzeige-Bayern vor dieser Schmach zu schützen. Aber eine solche Möglichkeit scheint auch die bayerische Steuergesetzgebung nicht herzugeben. Also musste Hoeneß nun seine Verfehlungen eingestehen. Das ist jetzt so und lässt sich auch nicht mehr ändern. Der Mensch Uli Hoeneß ist deshalb übrigens kein anderer, als noch vor zwei Monaten, bevor ihm mehr und mehr Freunde den Rücken kehrten. Jetzt wurde nur das öffentlich bekannt, was eigentlich jeder hätte vermuten können. Er ist nicht besser, als viele andere seiner Gesellschaftsschicht. Dennoch ist es fragwürdig, ob ein Prominenter öffentlich so massiv angegangen werden muss. Ein bisschen Privatsphäre könnte man doch auch Prominenten zugestehen. Wenn jeder kleine Steuersünder nicht mehr durch seine Stadt gehen könnte, weil alle wissen, dass er Steuern hinterzogen hat, dann ist es endgültig geschehen um unsere demokratische und freiheitliche Rechtsordnung. Wenn aber jeder große Steuersünder einfach so durchkommt, schädigt das die Rechtsordnung ebenfalls. Vielleicht sollte man ihn rechtlich belangen für die durchaus als Straftat bewertete Steuerhinterziehung und ihn in der Öffentlichkeit endlich in Ruhe lassen.

No Trackbacks

You can leave a trackback using this URL: http://meinungsmix.de/gesellschaft/der-fall-hoenes-wer-hat-etwas-anderes-erwartet/trackback/

3 Comments

  1. Pedro

    Wer das Interview mit Herrn Hoeneß vor einiger Zeit bezüglich der Steuersünder gesehen und gehört hat und wie sehr Herr Hoeneß Steuersünder verurteilt hat, kann man sich wirklich nur wundern. Und hier sollte das Gesetzt mit seiner ganzen Kraft greifen und Hoeneß zur Höchststrafe verurteilen, nur so wäre es für alle anderen ein abschreckendes Beispiel.

    Posted 27. Mai 2013 at 18:17 | Permalink | Antworten
  2. 123herbei

    Ich finde, wer Prominent ist, der muss dann leider auch damit rechnen, dass die nicht so schönen Schlagzeilen veröffentlich werden… Wir haben doch ein Recht darauf zu erfahren, wie die Prominenten wirklich sind und dazu gehören nun mal auch die Fehler. Menschen, die nicht wollen, dass die Medien aus dessen Privatleben berichten, sollen doch bitte nicht “Prominent” werden und sich einen anderen Beruf aussuchen.

    Posted 30. Juni 2013 at 09:48 | Permalink | Antworten
  3. Ludewig

    Uli Hoeneß hat sich wirklich sehr unsportlich verhalten, vor allem, wo er vor einiger Zeit noch in einer Talkshow den Moralapostel spielte und sich gegen die Steuersünder aussprach. Dabei war er längst unter den Steuersündern, und das schon seit vielen Jahren. Er ist schlichtweg ein Lügner, der gut daran täte, zurückzutreten. Vergisst Otto Normalverbraucher bei seiner Steuererklärung, etwas anzugeben, dann wird er sofort zur Kasse gebeten, das kann richtig wehtun. Wenn Uli Hoeneß nun eine Nachzahlung leisten muss, tut ihm das nicht weh, denn er hat nicht nur als Sportfabrikant, sondern auch als Wurstfabrikant genug Geld, wovon andere nur träumen können.

    Posted 30. Juni 2013 at 19:30 | Permalink | Antworten

Post a Comment

Your email is never shared. Required fields are marked *

*
*